Donnerstag, 27. Juli 2017

Meanwhile in London

Vielleicht war ich ein wenig zu euphorisch, was das britische Wetter angeht. Es regnet hier auch. Und richtig sommerlich geht auch anders. Das heutige "Bad Light" (einer meiner Favoriten als Grund, das Cricketspiel zu unterbrechen) hatte zur Folge, dass die Tochter und ich ins Kino gingen. Das Kino um die Ecke ist sehr sehenswert und Dunkirk wollten wir auch beide sehen. Vielleicht aus unterschiedlicher Motivation, aber wir beide wegen Cillian Murphy. Sagen wir so: die (sehr gut gemachte) schwere Kost passte ganz gut in die herbstliche Stimmung.
Währenddessen sicherte der Sohn seine Kalorienzufuhr. Auch gut.

Dienstag, 25. Juli 2017

Welcome Back

Welanien besticht durch bestes Sommerwetter. Wir sind geblendet - selbst gegen 19 Uhr. Was war nochmal dieses Helle am Himmel? Wenn mir früher jemand gesagt hätte: "Fahrt nach Großbritannien, um Sommer zu erleben!", ich hätte ihn oder sie für verrückt erklärt. Heutzutage finde ich es logisch. 


Auf nach Welanien!

Kurz vor unserem Aufbruch erhielt die Tochter noch Post von unserem Bundestagsabgeordneten. Eine Einladung zu einem Jungwählertreffen, die sie urlaubsbedingt leider nicht wahrnehmen kann. Sie war zwar gerührt, dass er an sie dachte, empörte sich aber gleichermaßen darüber, dass man ihre Anschrift und ihr Geburtsdatum zur Verfügung habe. In der virtuellen Welt haben sie und ihre Altersgenossen keine Probleme alles von sich preiszugeben, aber auf dem Papier ist es dann bedenklich. Print kann somit auch in dieser Generation nicht wirklich tot sein. Als böser Mensch merkte ich an, die Einladung sei eine gute Gelegenheit für unseren Abgeordneten an Frischfleisch zu kommen. Allerdings passe die Tochter nicht ins Beuteschema. Für eine Sozialisation in St. Georg reagierten die Kinder überraschend überrascht auf die gleichgeschlechtliche Orientierung unseres Abgeordneten, fand ich. Die Erkenntnis brachte jedenfalls den Sohn auf folgenden Plan: er werde den Politiker gefügig machen und dann organisiere dieser ihm eine HVV-Abo-Karte. Eine ÖPNV-Karte anstelle der Weltherrschaft - die Bescheidenheit hat er von mir.

Montag, 24. Juli 2017

Reisefieber

So langsam packt uns die Nervosität. Nicht mehr lange bis zu unserem Familienurlaub, der nach dem Abitur der Tochter vielleicht der letzte seiner Art sein wird. Check In, zentnerweise Wäsche waschen, Pässe suchen, Taschen herauskramen heißt es für mich. Für die Kinder bedeutet es eigentlich keinen Unterschied zu sonst. Stimmt nicht. Ab und an fragen sie, um welche Uhrzeit wir fliegen, wo wir wohnen werden und ob es da freies WLAN geben wird. Die Organisation hatte ich mir gemeinschaftlich vorgestellt, doch wegen häufiger Abwesenheit der Kinder oblag am Ende alles mir. Letzthin fragte die Tochter, ob sichergestellt sei, dass sie nach ihrem zweiten Urlaub - direkt im Anschluss an unseren, aber ohne mich und stattdessen mit Oma und Opa - möglichst nahtlos nach Hamburg zurückzukehren. Da es die einzige Konversation mit ihr für längere Zeit war, kam meine Antwort entsprechend unwirsch herüber. Das könne sie entscheiden und organisieren, schließlich sei ich nicht dabei. Herzlose Mutter, die nichts von Wiedersehenssehnsüchten des jungen Glücks versteht. Und das Kind in allen widersinnigen Situationen einfach für volljährig erklärt. Sie beschloss wohl, meinen Einwand zu ignorieren. Denn gestern erkundigte sie sich wieder, wie die Rückreise nach Hamburg geplant sei. Ihre Cousine habe sie angerufen und danach gefragt. Ich wiederholte, von meiner Seite sei nichts geplant und es werde auch nichts passieren. Immerhin gab ich in meiner unendlichen Güte den Tipp, sie solle sich am besten einmal mit Oma und Opa kurzschließen. Ich bin aber auch blöd! Denen kann man im Gegensatz zur Cousine schließlich keine Sprachnachrichten schicken. Wie ich mir das vorstelle: Anrufen, SMS schicken, Kommunikation über Joghurtbecher?Genau genommen gar nicht. Ich habe beschlossen, dieses Thema als Experiment zu behandeln: ob etwas, was und wann passieren wird?

Sonntag, 23. Juli 2017

Toll, wenn Vorurteile bestätigt werden

Schon vor langer Zeit wies mich die Tochter darauf hin, dass man Richtungswechselrolltreppen ohne Not nicht benutzen dürfe. Es könne oben jemand stehen, der ohne Rolltreppe nicht zu U-Bahn komme und der dann länger warten müsse. Da ich eine gelehrige Mutter bin, befolge ich diese Verhaltensweise seitdem. Egal, wie schlapp, schwer beladen oder hüftlahm ich gerade bin. Und auch egal, wie sehr ich mich oft darüber ärgere, dass die Tochter all' ihre Umsicht an unserer Haustür abzulegen scheint. Unbeteiligte Gehandicapte können schließlich nichts für meinen Ärger.
Vor diesem Hintergrund staunte ich nicht wenig, als ich gestern Mittag auf dem Weg zur U-Bahn ein solariumgebräuntes Pumperpärchen sah, das von der Bahn zur Muckibude selbstverständlich die Rolltreppe nahm. Ihre locker geschulterten Sporttaschen wirkten nicht, als befänden sich Wackersteine darin. Es blieb wohl bei den üblichen Utensilien wie Handtuch, Körperöl, Eiweiß-Anabolika-Shake und Haarspray (sie), Haargel (er). Ist völlig klar, dass man auf dem etwa 100 Meter weiten, unglaublich ermüdenden Weg zum Olympic Studio die Rolltreppe nutzen muss. Ein Blick in die beiden Gesichter reichte, um zu wissen, dass jeder Hinweis an die beiden zu viele Worte enthalten hätte, um dessen Sinn in die getoasteten Köpfe zu bekommen.

Beim anschließenden Einkauf wunderte ich mich aus gegebenem Anlass wieder einmal, warum bei starkem Regen Menschen mit Schirm denen ohne den Platz unter den Hausvorsprüngen wegnehmen müssen. Als ob Schirme nicht ohnehin schon blöd sind, weil man immer Gefahr läuft, ihre Spitzen in seinen Augen wiederzufinden. Das Beklagen fehlender Umsicht ist vielleicht ein erstes Anzeichen, dass ich unterdessen zur granteligen Alten mutiere? Ich glaube es nicht. Sonst hätte ich mein sturmfreies Wochenende wohl nicht in vollen Zügen genossen.

Freitag, 21. Juli 2017

Crazy

Gestern war ich auf einer Vernissage. So weit, so normal. Doch zum ersten Mal habe ich dort den roten Punkt an ein Bild geklebt. Ich glaube, ich werde mir neben Groupie und Spülmaschinentetris nun auch noch Kunstmäzen auf die Visitenkarte schreiben. Das Bild mochte ich schon länger - und doch scheute ich mich ein wenig (Finanzen, Anbringungsort etc.). Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen erfuhr ich, dass die Künstlerin genauso - wenn auch aus anderen Gründen - mit dem Verkauf haderte. Dann waren wir wohl beide verwegen.
In meiner Euphorie habe ich heute früh dann sogar alle drei Briefe, die ich seit einer Woche in meiner Tasche mit mir herumtrug und die entsprechendend angegangen aussahen, in den Postkasten geworfen. 
Apropos Verwegenheit: wenn das nicht passend ist, dass ich ab jetzt ein sturmfreies Wochenende habe. Da ist das morgendliche Wummern gegen die Badezimmertür sofort vergessen. Der Sohn (empört): "Mama, ich muss JETZT Zähne putzen!", Ich (um die Ruhe im Bad gebracht): "Dann geh' doch nach unten!", Der Sohn: "Da ist keine Zahnpasta.", Ich: "Doch! Ich habe neue hingetan." Versteht sich von selbst, dass ich anschließend im unteren Badezimmer eine weitere angebrochene Zahnpastatube und in irgendeiner Ecke die klebrige silberne Schutzfolie fand. 

Donnerstag, 20. Juli 2017

Manchmal läuft es

Es ist eine trostlose Zeit, in der wir die Tochter/Schwester nur bei ihren kurzen Pit-Stops zum Wäschewechsel sehen. In Summe kommt sie in der letzten Woche auf eine häusliche Nettopräsenz von etwa 45 Minuten. Auf meine Begrüßung "Wir kennen uns irgendwoher?" erntete ich gestern Abend nur ein genervtes "Mimimi". Da trifft es sich gut, dass die Nachbarn für Unterhaltung sorgen. Sie echauffieren sich aus unterschiedlichen Gründen über jugendliche Mitbewohner, die nächtens an falschen Orten die Ruhe stören. Willkommen in der großen Stadt, möchte man sagen. Doch das ist natürlich nicht ausreichend gesinnungspolitisch gedacht. Früher hätte wahrscheinlich ein erboster Anruf bei den verantwortlichen Eltern genügt und das Problem wäre vom Tisch gewesen. Heute muss es der große virtuelle Pranger sein - am besten mit erstem und zweitem Bürgermeister in Kopie.
Der Wahrheit die Ehre bin ich einfach nur glücklich, dass ausnahmsweise nicht wir die Angeprangerten sind.